Biografie 2

Froh kaufte ich also meine ersten Farben. Und besuchte einen Malkurs. Doch was dann folgt, glaubt ihr etwa, das wäre das große Erlebnis und die tolle Selbstverwirklichung? Glaubt ihr das, weil die über dem Boden der Akademien schwebenden Dienerinnen der Kunst dies immer behaupten? Vergiss es !

Ich beneide dich, lieber Mitmensch, der du nie das gemeine und heimtückische Wesen einer auf einem Holzrahmen gespannten Leinwand vor deiner Nase erfahren musstest. Wie ein verliebtes Mädchen zeigt sie dir ihre weiße Unschuld mit dem heißen Versprechen, dass nur du, und niemand sonst, mit deinem starken Pinsel ihrer Jungfräulichkeit gerecht werden kannst.

Aber dann, nach der von dir vollzogenen ölbefleckten Orgie, wirst du die Leinwand kennen lernen. Tu sie schnell weg. Verbanne sie aus deinen Augen. Denn der Blick der jetzt farbbeschmutzten, verunstalteten und missbrauchten Unschuld auf dich mit all ihrer plötzlichen Rachsucht und abgrundtiefen Verachtung ist nicht mehr auszuhalten.

In jeder neuen Leinwand aber steckt dasselbe Biest. Wenn sie wieder lockt, hast du für das todsicher zu Erwartende kein Gedächtnis mehr. Denn: einmal muss ! doch und wird ! doch sein, dass deine Mühen belohnt, deine durchstandenen Qualen tausendfach in Jubel verwandelt sind. Genau das ist der Wahn, mit dem dich die Leinwand an sich kettet. In deiner Kammer gefangen hat. Wo du dahinsiechst und dich an der allmählich verglimmenden Kerze deiner Halluzinationen verbissen festhältst. Bis auch diese für dich nichts mehr hergeben.

Bleibt jetzt nur noch die Kugel, an die ein an sich verzweifelnder Claude Monet oft dachte, und mit der van Gogh sich umbrachte?

Vielleicht damals. Heute nicht. Solche Beispiele und Vorbilder mit ihrem gefährlichen Sog gibt es nicht mehr. Das Malen und Gestalten unserer Zeit hat sich längst mit großer Bewegung weit über jene erhoben, die noch immer den schweren Kampf um ein bestimmtes Ziel gegen ihre unzulänglichen Kräfte führen. Zu beneiden sind solche Menschen nicht. Ich weiß es.

Der wirkliche, in seinem tief verankerten Selbstbewusstsein ruhende Künstler ist natürlich von diesen Anfechtungen ausgenommen. Zum Glück. Sonst hätten wir ja die echte moderne und wahre Kunst nicht.

Im düsteren Schatten ihrer allgegenwärtigen Geltung, und unentrinnbar gefangen in meiner einsamen Kammer vor der schrecklichen Leere einer Leinwand, versuche ich mich dennoch zu behaupten und heiter zu bleiben. Letztendlich gelingen wird das nicht. Aber an einem solchen Wunsch festhalten zu können, das ist schon etwas. Glaubt mir Freunde. Wenig ist das nicht.

 

Peter